Am Sonntag Abend genoss ich dann noch einen letzten Ox-Dance mit Bob und einen letzten Contra-Dance mit Ed - eine wunderbare Erinnerung! Am Montag Morgen ging es dann los! Die Räder waren bereit, alles war gepackt und Bob kam sogar zum Tschüss sagen vorbei! Ed fuhr uns dann noch ein Stück gen Nordwesten und sorgte damit für einen stadt- und verkehrsarmen Start! Der Abschied fiel uns nicht leicht - wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
Seit einem Monat waren wir nicht mehr mit beladenen Fahrrädern unterwegs... dementsprechend schwer fiel uns das Pedalieren! Es geht rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter und dies mit mehr oder weniger Gegenwind. Da kommt uns jeweils ein kultureller Unterbruch ziemlich gelegen! So genossen wir das Old Sturbridge Village Museum, ein ganzes Dorf inkl. "Bewohner", und fühlten uns in eine andere Welt zurückversetzt. Dank unserer neuen Flaggenkonstruktion - natürlich von Bob - sprechen uns nun noch mehr Leute an! Ob schreiend aus dem vorbeifahrenden Auto, ob extra überholend, anhaltend, aussteigend und interessiert, ob extra aus dem Haus kommend... unglaublich wie interessiert die Leute sind! So kam es dann auch, dass wir bereits um 14.00 Uhr, während unserer Lunchpause auf einem Baenkli mitten in Chesterfield, eine Uebernachtungseinladung bekamen! Wir zögerten, schliesslich war es noch ein bisschen früh, aber als es begann zu donnern, nahmen wir das Angebot dankbar an! Es stellte sich als die richtige Entscheidung heraus - wir erlebten einmal mehr grenzenlose Gastfreundschaft! So ganz spontan wie Jim uns einlud, so spontan nahmen uns Lisa und ihr Sohn Forrest in ihrem Haus auf und noch viel spontaner gab uns die kleine Priya ihr Bett!! Lisa und Jim sind schon weit gereist und sind deshalb sehr offen, haben ein wunderschönes selbstgebautes Haus umgeben von Wald, einen riesigen Garten und ein paar Tiere! Wir verbrachten eine wunderbare Zeit mit feinem Abendessen, kurzem Gitarrenvorspiel, lustigem Abendspaziergang mit den Ziegen, interessanten Gesprächen und viel Gelächter in ihrem kleinen Paradies! Vielen herzlichen Dank!
Als nächstes Ziel steuerten wir den Pittsfield State Park an, der Mitte Mai seine Toren für Camper öffnet! Dank dieser ungenauen Angabe waren wir dann auch die einzigen Zeltler im noch geschlossenen Park! Inzwischen haben wir den Staat New York, seine Hauptstadt Albany und damit den Hudson River erreicht. Von überall her wurden wir hilfsbereit, überaus freundlich und interessiert angesprochen. Trotzdem entpuppte sich die Hotelsuche als sehr schwierig, da alle Zimmer wegen College-Abschluss-Feiern belegt waren. 6 km ausserhalb wurden wir dann fündig.
Nun gehts nur noch flach weiter und umso westlicher wir gehen, umso flacher wird es! Dem Hudson und Mohawk River bzw. dem Erie-Kanal entlang fahren wir meist auf Fahrradwegen und machen so noch mehr Bekanntschaften: andere Fahrradfahrer, Jogger, Spaziergaenger...! Es könnte genau so gut die Aare oder der Rhein sein, wir kommen auch an Rotterdam, Amsterdam, Rome, Verona oder Geneva vorbei, wobei diese Städte überhaupt nicht europäisch wirken, eher düster und unangenehm!
Gestern aber erreichten wir das hübsche Baldwinsville und haben uns hier wegen andauerndem Regen gleich für zwei Nächte in einem Hotel einquartiert! Seither erledigen wir Wäsche, Mails und Blog bei schönstem Sonnenschein und 30 Grad!!! Wir sind gerne unterwegs, geniessen die vielen Eindrücke und haben uns wieder ans Radfahren und Zelten gewöhnt!
Ein vorläufig letzter Tanz mit Ed!
Freudentanz bei 9000 km
Im Old Sturbridge Village Museum wird noch "gchrampft"!
Feines Znacht bei und mit Lisa, Jim, Forrest und Priya!
Verdauungsspaziergang mit Kids und Geissen
Von Albany nach Buffalo-o!
9250 km
Schönster Fahrradweg dem einst wichtigen Erie-Kanal entlang!
Wieder einmal zelten und die Natur hautnah erleben!
Es ist unglaublich was man auf einer Farm und rundherum während 3 Wochen alles erleben kann!
Z.B.:
Auf einem wunderschönen Fahrradweg dem Cape-Cod-Canal entlang bis ans Meer!
Markus entdeckt die Gitarre und lernt eifrig von Ed!
Boston im Frühling!
Markus isst mehr oder weniger freiwillig rohe Muscheln!!
Wir entdecken New Bedford, inkl. Hafen, historische Innenstadt und Walmuseum, einst die reichste Stadt der Welt!
Bei Jane und Ed's Tochter lernen wir Neues über die Hühnerhaltung und vergleichen diese mit der Schweizerischen!
Eine neue Art des Zahltags nach dem Asphalt schaufeln bei Bob - Massagestuehle!
Dies war für mehr als 3 Wochen unser Zuhause!
Natürlich darf man nicht vergessen, dass...
...wir das wunderschöne Newport im Nebel beradelten!
...wir unbedingt den Film "Fargo" über uns ergehen lassen mussten!!! (Da unsere Tour wahrscheinlich über Fargo führt!)
...wir als Dank bei Carol und Dan versuchten eine Roesti zu kochen!
...wir fleissig mit Spass auf dem Feld Tomaten und Salat setzten!
...wir die musikalischen Abenden im Irish Pup und beim "Open Mic" u.a. mit Maggie sehr genossen!
...wir einmal mehr die Kanalisation flickten!
Für diese wunderbare Zeit und all die tollen Erlebnisse bedanke ich mich ganz herzlich bei Jane und Ed und all ihren Freunden! Wir haben ihre herzliche und offene Art und die grenzenlose Gastfreundschaft sehr genossen und würden uns über ihren Besuch in der Schweiz riesig freuen! DANKE!!!
Die Entscheidung nach Boston zu reisen, entwickelte sich erst während unserer Reise und nur weil wir Jane und Ed im Disney World in Florida kennen lernten! Weil wir da mit ihnen eine tolle Zeit verbrachten und sie uns einluden sie in Dighton zu besuchen, haben wir uns entschieden von hier aus Nordamerika zu durchqueren. Bevor wir aber losradeln nun erst mal der Reihe nach!
In Santiago erfuhren wir durch die News vom Bombenattentat am Marathon in Boston und waren froh, dass wir erst ein paar Tage später im Flieger sitzen werden! Ohne jegliche Probleme kamen wir planmäßig in Toronto an, konnten sogar bereits da in die USA einreisen - ohne weitere Fragen und ohne Rueckflugticket bekamen wir den Stempel. Während unserem Aufenthalt, inzwischen ist Freitag Morgen, ist in jedem TV Boston zu sehen und eine Schiesserei zu hören, genaueres wissen wir aber noch nicht. Planmäßig landen wir in Boston und können auch gleich unser Gepäck (diesmal nur zwei grosse Taschen und die zwei Fahrradkartons) entgegennehmen. Alles hat reibungslos geklappt und Markus' Bastelarbeit hat sich als robust herausgestellt! Sogleich kam auch Ed mit seinem Pickup vorgefahren - ein freudiges Wiedersehen! Auf dem Weg nach Dighton, auf ausgestorbenen Strassen, erklärte uns Ed dass während der Schiesserei ein Attentäter ums Leben kam und gerade eben der Zweite gesucht wird. Ed's Pickup wurde durchsucht, die Stadt ist gesperrt, ein unheimliches Gefühl. Am selben Abend wurde der zweite Attentäter ueberfuehrt, die ganze Stadt jubelte und atmete auf.
Jane und Ed haben uns herzlichst empfangen und verwöhnen uns mit ihrer Gastfreundschaft! Sie haben ein grosses Haus wo wir uns zu Hause fühlen dürfen. Jane kocht jeden Abend auch für uns und Ed führt uns überall hin - wir geniessen es sehr, wie könnte man auch anders!!!
Wir hatten das grosse Glück, dass wir das NEFFA(New England Folk Festival Association)-Wochenende miterleben konnten! Da wird getanzt, musiziert, geplaudert, improvisiert und gelacht, Jung und Alt, Gross und Klein und in verschiedensten Kleidern! Ein grossartiges Erlebnis und ich kam wieder einmal zum Tanzen! Sogar Ed, der dieses Festival seit 30 Jahren besucht, brachten wir dazu endlich den Contra-Dance auszuprobieren! Dieser relativ einfache Gesellschaftstanz macht einfach Spass! Gleich anschliessend durften wir spontan bei Carol und Dan ein Abendessen geniessen um nachher noch eine Privattanzparty zu feiern! Bob lernte uns den Ochsentanz aus Schweden und einen genau so lustigen Tanz aus Russland! Genau dieser Bob stellte sich am nächsten Tag als der eigentliche "Bob de Bouma" heraus!!! Wir gingen zu ihm nach Hause um ihm beim Asphalt schaufeln helfen, doch viel mehr Zeit verbrachten wir damit sein selbst gebautes Haus und die interessante Umgebung zu begutachten - Bob sammelt einfach alles, aber er braucht auch alles um so einiges zu basteln! Am Nachmittag genossen wir, als Belohnung, eine Kanufahrt!
Bereits einmal waren wir in der Bostoner Innenstadt, denn nun ist alles wieder ruhig und läuft normal. Eine angenehme, grüne, historische Stadt am Wasser!
Wenn Ed uns nicht gerade eine schöne Gegend zeigt und wir nicht gerade Treibhaus-Tomatenstraeucher schnüren und wir nicht gerade Livemusik im irish Pub geniessen, erkunden wir die nähere Umgebung per Rad oder geniessen die Ruhe im blühenden Frühling!